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Eibisch

Heute möchte ich einem weiteren fast in Vergessenheit geratenem Hustenkraut etwas wohlverdiente Aufmerksamkeit schenken.

Es geht um den echten Eibisch, Althea officinalis.

Althaea officinalis

By André Karwath aka Aka (Own work) (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5), via Wikimedia Commons

Offizinell ist Eibisch heute genauso wenig wie das Lungenkraut. Auch er wurde von modernen Arzneimitteln aus der Offizin der Apotheken verdrängt.

Bereits in der Antike war er als Heilpflanze hoch geschätzt. Seine Wurzeln enthalten bis zu 25% Schleim, dazu Stärke, Rohrzucker und Pektin. Das hat die Wurzeln zu Zeiten, in denen Hungersnot herrschte, auch zu einem wertvollen Nahrungsmittel gemacht.

Der Schleim macht den Eibisch für uns als Heilpflanze interessant. Er wirkt einhüllend und schützend auf alle Schleimhäute der Atemwege und des Verdauungstraktes. Im Tierversuch konnten auch entzündungshemmende und immunstabilisierende Wirkungen nachgewiesen werden.

Um einen Tee zuzubereiten macht man wie bei allen Schleimdrogen einen Kaltauszug. 2 -3 Teelöffel geschnittene getrocknete Eibischwurzel werden mit 1 Tasse kaltem Wasser angesetzt und 8 Stunden bzw. über Nacht abgedeckt stehen gelassen. Dann wird vorsichtig auf Trinktemperatur erwärmt, abgeseiht und in kleinen Schlucken getrunken. Von diesem Tee trinkt man 1 – 3 Tassen am Tag. Man kann damit bei Entzündungen im Mund-Rachenraum gurgeln und ihn äußerlich als Waschungen und/oder Umschläge für trockene rissige Haut oder feuchte Ekzeme benutzen.

Nachdem der Kaltauszug erwärmt wurde, sollte er sofort verbraucht werden, da einmal erwärmter Eibischtee leicht zu Verkeimung neigt.

 

Husten – was tun?

Auf der Basis des Inhaltes der beiden vorhergehenden Beiträge ergeben sich folgende logische Konsequenzen:

Im Herbst vorbeugend das ganze Element Metall (TCM, später mehr dazu), zu dem Lunge, Dickdarm, Haut und Schleimhäute gehören, mit Lungenkraut zu stärken ist eine Möglichkeit. Das macht sich auch positiv im Element Wasser bemerkbar, zu dem das Immunsystem gehört. Immunschwache und/oder gestresste Zeitgenossen profitieren auch von Taigawurzel, Stressadaptativum auf der einen Seite und Stärkung der inneren Organe auf der anderen, hilft sie mit Stress besser fertig zu werden. Parallel ist es, wenn man sich viel in geschlossenen Räumen mit Heizung/Klimaanlage aufhält, angebracht die Nasenschleimhäute sorgfältig zu pflegen und feucht zu halten. Das geht gut via Nasenspülungen oder Nasensprays mit isotonischer (0,9%) Salzlösung, am besten mit hochwertigem Meersalz.

Mit diesen Maßnahmen erreicht man, dass die Wächter an der Eintrittspforte für Atemwegserkrankungen in Topzustand sind und somit die Bedrohung für die empfindlicheren tieferen Abschnitte der Atemwege auf ein Minimum reduziert wird.

Bei trockenem, unproduktivem Reizhusten kommen die Schleimdrogen, die Mucilaginosa, wie Eibisch, Huflattich, Isländisches Moos, Malve, Spitzwegerich und Königskerze (Wollblume) zum Einsatz. Sie überziehen die empfindlichen trockenen Schleimhäute mit einem Schutzfilm. Diese Schleimdrogen werden als Tee immer kalt angesetzt, z.B. über Nacht, dann vorsichtig auf Trinktemperatur erwärmt, abgeseiht und in kleinen Schlucken getrunken. Lungenkraut kann ebenfalls an dieser Stelle zum Einsatz kommen, sollte dann aber auch kalt ausgezogen werden, um die volle Wirkung der Schleimstoffe zu bekommen.

Da ausreichender erholsamer Schlaf ganz wichtig ist für die Regeneration des Körpers, empfehle ich bei erkältungsbedingtem trockenem Reizhusten, der sich ein- und durchschlafstörend gebärdet, zur Nacht einen konventionellen Hustenstiller aus der Apotheke zu Hilfe zu nehmen.

Ist der Husten produktiv, dann kann man dem Organismus am besten mit schleimlösenden, enzündungshemmenden, entkrampfenden und antimikrobiellen Kräutern helfen. Thymian und Efeu sind da die erste Wahl, unterstützt von Primel, Süßholz und Lungenkraut. Als Tee werden sie einzeln oder in einer Mischung zubereitet. 1 – 2 Teelöffel mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen, abseihen und in kleinen Schlucken trinken.

Da über die „süßen“ Geschmacksknospen auf der Zunge und in der Mundschleimhaut via Parasympathikus die Bronchosekretion angeregt wird, sollen Hustentees immer gesüßt sein. Ein Teelöffel guter Honig in den auf Trinktemperatur abgekühlten Tee ergänzt die Wirkung der Kräuter hervorragend.

Grundsätzlich ist auf reichliche Flüssigkeitszufuhr zu achten, da im Organismus genügend Wasser vorhanden sein muss, damit die Becherzellen in den Schleimhäuten erfolgreich Schleim in der richtigen Konsistenz produzieren können.

alle Bilder: Wikipedia

Husten- und nun?

Akuter Husten ist also ein unter Umständen lebensrettender Reflex wenn die Atemwege verlegt sind oder in Gefahr sind verlegt zu werden. Er selber ist nicht die Störung, die es zu bekämpfen gilt. Es müssen die Ursachen für die Auslösung dieses Reflexes gefunden und möglichst behoben werden.

Die häufigste Ursache (beim Menschen) ist die  Erkältung. Wenn dabei die Symptome länger als eine Woche persistieren und/oder Fieber dazukommt, das Allgemeinbefinden sich drastisch verschlechtert, dann sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden, der schaut, ob sich die zunächst harmlose Erkältung nicht vielleicht doch in eine Bronchitis verwandelt oder gar eine Lungenentzündung ist.

Chronischer Husten ensteht, wenn die Funktion der Flimmerhärchen gestört ist und sie nicht mehr ordnungsgemäß arbeiten können. In dem Fall übernimmt der Husten ihre Aufgabe. Die Abklärung der Ursachen dafür obliegt dem Arzt, der auch untersucht, ob Funktionsstörungen anderer Organe für den chronischen Husten verantwortlich sind.

Was passiert bei einer Erkältung in unseren Atemwegen?

Eine wichtige Funktion der oberen Atemwege ist das Anfeuchten und Erwärmen  der eingeatmeten Luft, damit sie genau die richtige Temperatur und Feuchtigkeit für den optimalen Gasaustausch in den Lungenbläschen hat. Desweiteren muss die Luft auch von Partikeln wie z.B. Staub oder Pollen  gereinigt werden, damit die nicht die terminalen Bronchioli verlegen und damit Lungenbläschen vom Gasaustausch ausschließen.

Schematische Darstellung eines Bronchiolus terminalisA: Alveolen, M: zirkuläre Muskelschicht des Bronchiolus, D: Schleimhautdrüse, BT: Bronchiolus terminalis, PA: Äste der Pulmonalarterie, PV: Äste der Pulmonalvenen, N: Nerv, BR: Bronchioli respiratorii, AS: Alveolarsepten, DA: Ductus alveolaris

Schematische Darstellung eines Bronchiolus terminalis
A: Alveolen, M: zirkuläre Muskelschicht des Bronchiolus, D: Schleimhautdrüse, BT: Bronchiolus terminalis, PA: Äste der Pulmonalarterie, PV: Äste der Pulmonalvenen, N: Nerv, BR: Bronchioli respiratorii, AS: Alveolarsepten, DA: Ductus alveolaris

Schadstoffe werden ebenfalls entfernt, damit sie nicht über die Lungenbläschen ins Blut und damit in den Körper hinein gelangen. Das gleiche gilt für so genannte Krankheitserreger.

Im Herbst/Winter können die Schleimhäute da schon mal überfordert sein. Trockene Heizungsluft drinnen und trockene kalte Luft draußen müssen kompensiert werden. Reicht die Kapazität dafür nicht aus, kann ein trockener Reizhusten entstehen. Bei relativ trockenen Schleimhäuten ist die Funktion des schleimhaut-assoziierten Immunsystems eingeschränkt. Vielleicht ist auch das Immunsystem generell durch Stress unterschiedlichster Genese gerade nicht in Top-Form. Kommt dann noch ein hoher Erregerdruck in der Umgebung dazu, gelangen diese Erreger tiefer in die Atemwege als vorgesehen.

Jetzt starten die tiefergelegenerne Abschnitte der Atemwege mit geringeren Durchmessern durch, um Schlimmeres zu verhindern. Es wird dort verstärkt Schleim produziert, die Schleimhäute schwellen an, die Luftwege verengen sich und der Hustenreflex springt an, um die Wege wieder freizublasen.  Es kommt zum „produktiven“ Husten.

Weiter geht’s mit Husten – was tun?

Bildquelle: By Patrick J. Lynch, medical illustrator, modified by Christian2003 (Patrick J. Lynch, medical illustrator) [CC-BY-2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)%5D, via Wikimedia Commons

Was ist eigentlich Husten?

Husten ist ein komplex geregelter Körperreflex. Bestimmte Reize aktivieren sogenannte Hustenrezeptoren, also Fühler, die sich vor allem in den Atemwegen befinden: im Kehlkopf und Rachen, in der Luftröhre und den Hauptbronchien. Nach Empfang des Hustenreiz-Signals über vegetative Nervenimpulse lösen das Husten- und das Atemzentrum im Gehirn den Hustenreflex aus. Es folgen rasches und tiefes Einatmen, Verschluss des Kehlkopfs, Zusammenziehen der Atemmuskeln, dadurch hoher Druck in den elastischen Bronchien, und der Luftröhre bis hoch zum Kehlkopf, Öffnen des Kehlkopfdeckels und abruptes Ausstoßen der Luft. Kräftige Hustenstöße können Luftflussgeschwindigkeiten bis zu 1000 km/h generieren.

Die Atemmuskulatur, allen voran das Zwerchfell, muss dabei tüchtig arbeiten. und die Bauch- und Rückenmuskeln helfen kräftig mit. So kann es nach heftigem Husten durchaus zu „Muskelkater“ der betroffenen Muskeln kommen. Husten lässt sich, wenn es sein muss, aber auch willentlich bis zu einem bestimmten Punkt unterdrücken oder bewusst auslösen.

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By Patrick J. Lynch, medical illustrator (Patrick J. Lynch, medical illustrator), via Wikimedia Commons

Was will jetzt der Organismus mit dieser Aktion erreichen? Er will die Atemwege reinigen. So hilft der Hustenstoß wie übrigens auch das Niesen, die Atemwege von Sekreten mitsamt inhalierter Schadstoffe zu befreien. Noch ein paar Hustenstöße, und die Sache ist wieder bereinigt.

Unter normalen gesunden Bedingungen wird diese Reinigungsarbeit tagein tagaus von den Flimmerhärchen in den Bronchien geleistet. Diese befördern das Sekret, das kontinuierlich von den Becherzellen der Atemwegsschleimhäute gebildet wird nebst der darin verfangenen eingeatmeten Partikel, systematisch in Richtung Kehlkopf. Sind die Flimmerhärchen geschädigt oder ist das Sekret durch eine Krankheit verändert, zu zäh, zu kompakt oder im Übermaß vorhanden, könnte es die Bronchien verstopfen oder Schadstoffe würden überhand nehmen. Die lebenswichtige Sauerstoffaufnahme und damit das Überleben wären in Gefahr. Hier hilft sich der Organismus mit dem Hustenreflex als Retter in der Not.

Husten ist also nicht grundsätzlich so „böse“ wie er im Volksmund gerne genannt wird, sondern Retter in „bösen“ Situationen.

Weiter geht’s mit Husten – und nun?