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Wer scheu die Nessel streift…

dem brennt davon die Hand. Wer derb ihr Blatt ergreift, dem weckt sie keinen Brand.

Dieser Vers von Friedrich Rückert hat mich seinerzeit einmal bewogen, die Brennnessel einer näheren Betrachtung zu unterziehen, die ich hier nach und nach mit Ihnen teilen werde.

Brennnessel

Brennnessel (Photo credit: Wikipedia)

Betrachtung

Was ist das für eine Pflanze, die dem Menschen fast rund um die Erde in seine Siedlungen und Bauernhäuser folgt, die bereits Kinder kennen und an ihr ihren Mut und festes Zupacken erproben?

Die junge frische Pflanze gehört in die Frühlingskräutersuppe, aus den Stängeln wurde im Mittelalter das „Nesseltuch“ hergestellt (heute Ramie, eine Verwandte der Brennnessel). Das Vieh schätzt die angewelkte Jungpflanze. Sie fördert Zuwachs und Milchleistung. Aus den Erfahrungen der biodynamischen Landwirtschaft weiß man, dass sie nicht nur den Eisengehalt des Bodens, sondern als Düngezusatz auch die Stickstoffverwertung der Acker- und Gartenpflanzen reguliert. Zudem ist die Brennnessel reich an Kalium, Calcium und Schwefel.

Schaut man auf den Wuchs, findet man einen außerordentlich rhythmischen Aufbau. Knoten folgt auf Knoten mit jeweils zwei gegenständigen Blattpaaren, von denen jedes Blatt am Stielansatz von zwei Nebenblättchen begleitet wird. Jeder Knoten ist gegenüber dem vorangehenden um 90° versetzt. Vierzeilig laufen so die Blätter den Stiel mit dem quadratischen Querschnitt hinauf. Die Blätter selber strotzen vor Chlorophyll, Zeichen des im Blatt in Form der Assimilation vor sich gehenden Aufbaugeschehens, der Umwandlung von Lichtenergie in „chemische „ Lebensenergie. Das Chlorophyll des Handels wird vorzugsweise aus der Brennnessel gewonnen.

Das Spiegelbild zum Chlorophyll der Pflanze ist das Hämoglobin beim Menschen bzw. Säugetier mit Eisen als Zentralatom, komplementär auch die Farben der beiden: grün und rot. Die Brennnessel hat einen unter Pflanzen ungewöhnlich starken Bezug zu diesem Eisen, obwohl dieses Element für ihren eigenen Stoffwechsel nicht so wichtig ist. Sie kann dadurch den Eisengehalt im Boden regulieren und wird von der Volksmedizin von altersher zur „Blutbildung“ eingesetzt.

Folgt sie uns Menschen deshalb überall hin, weil sie, was wir aus dem Gleichgewicht bringen, wieder in das biologische Gleichgewicht zurückzubringen versucht?