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Bärentraubenblätter (Arbutinpräparate) und Katzen

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Arctostaphylos uvae ursi
By Sten Porse (Own work) via Wikimedia Commons

Wenn Katzen unter rezidivierenden Harnwegsinfekten leiden, ist die Versuchung groß selbst etwas zu unternehmen anstatt zum Tierarzt oder Tierheilpraktiker zu gehen. Katzenforen im Internet, wo entsprechende Tipps gehandelt werden, gibt es viele. Bärentraubenblätter bzw. Arbutinpräparate werden da gerne genannt, zumal sie vielen  (Frauen) aus eigener Erfahrung in der Wirkung bekannt sind.

Arbutin

Arbutin
By Yikrazuul (Own work) , via Wikimedia Commons

Arbutin ist der Hauptwirkstoff der Bärentraubenblätter und gehört zu  den Phenolglykosiden. Arbutin wird im Darm in Hydrochinon und Glukose gespalten, das Hydrochinon mit der desinfizierenden antibakteriellen Wirkung wird resorbiert und sofort an Glukuron- und Schwefelsäure gebunden, damit es über die Nieren ausgeschieden werden kann. Im alkalischen Harn werden diese Verbindungen verseift, sodass wieder freies antibakterielles Hydrochinon entsteht, das den Harn desinfizieren kann.

Wo ist jetzt das Problem?

Die Kapazität der Katzen zur Glukuronidierung (um bestimmte Stoffe über die Niere ausscheiden zu können) ist sehr begrenzt, weil diese Kapazität fast komplett für den Bilirubinstoffwechsel (Abbau von Hämoglobin als Folge des Auflösens zu alter „verbrauchter“ roter Blutkörperchen) benötigt wird. Von daher verbietet sich Arbutin für Katzen genauso wie Acetylsalicylsäure oder Alkohol, die den gleichen Weg gehen würden, weil die Vergiftungsgefahr aufgrund verlangsamter Ausscheidung groß ist.

Außerdem findet die erwähnte Verseifung nur im alkalischen Harn (pH > 8) statt. Der Katzenurin ist aber leicht sauer (idealerweise zwischen pH 6,5 und 6,8). Man könnte ihn natürlich mit etwas mehr Getreide oder anderen Pflanzen im Futter entsprechend einstellen. Aber ab einem pH von 7 besteht bei Katzen die Gefahr, dass sich unter Umständen sehr schnell Struvitsteine bzw. entsprechender Harngries und daraus folgend Harnröhrenpfropfen bilden.

Fazit:

Bärentraubenblätter oder Arbutinpräparate eignen sich nicht zur Selbstbehandlung bei rezidizvierenden Harnwegsinfekten Ihrer Katze.

Über die Hälfte dieser Erkrankungen sind übrigens gar nicht durch eine Infektion bedingt sondern so genannte idiopathische Harnwegserkrankungen, so ähnlich wie die interstitielle Cystitis beim Menschen. Die Ursachen dafür sind noch weitgehend unerforscht.

Gehen Sie also bitte mit Ihrer Katze zum Tierarzt oder Tierheilpraktiker und lassen Sie vor einer eventuellen Therapie den Urin genau untersuchen, um festzustellen, ob Harndesinfektion oder Antibiotika überhaupt angezeigt sind und wenn ja, welche.